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Das Haus Österreich

Die Geschichte der Habsburger

Frühester nachweisbarer Habsburger ist Graf Guntram "der Reiche", der in Aufzeichnungen des Jahres 952 AD erwähnt wird. Der Familienname geht auf das Stammschloß, die um 1020 AD in der nördlichen Schweiz erbaute Habichtsburg (Kanton Aargau) zurück. Nach durchaus glaubwürdigem Bericht, der sich in der Familie erhalten hat, konnte einst Guntrams Enkel Radbot, Graf von Altenburg, seinen liebsten Jagdhabicht erst nach langer Suche auf einer Anhöhe beim Fluß Aare, dem Wülpelsberg, aufspüren. Dabei fiel ihm die strategische Bedeutung des gut zu verteidigenden Standorts mit seinem weiten Ausblick nach allen Richtungen auf, und so erbaute er in der Folge dort seine Burg, wobei sich sein Schwager Wernher I, Bischof von Straßburg, beteiligte.

Den zu bequemerer Form verkürzten Namen Habsburg gebrauchte zuerst Radbots Enkel Otto II um 1100. Stammschloß und Schweizer Landbesitz gingen im frühen 15. Jahrhundert verloren, doch sollte die Familie im deutschsprachigen Teil der Welt weiterhin eine führende Rolle spielen.

Ihr Interesse hatte sich schon viel früher Österreich zugewandt. Neun Generationen nach Guntram wurde 1273 A.D. Graf Rudolf von Habsburg zum deutschen König gewählt. Er besiegte nur fünf Jahre später, und zwar nach dem Erlöschen der Babenberger‑Herrschaft in Österreich, den Böhmenkönig Ottokar II. (Schlacht bei Dürnkrut, Niederösterreich, 26. August 1278), der Besitzanspruch auf dieses Gebiet erhoben hatte, und stellte es unter seine eigene Verwaltung. Von damals bis 1918 wurde Österreich samt seinen Kronländern von Habsburgern regiert, was die dynastische Regentschaft einer einzigen Familie über den unglaublichen Zeitraum von 640 Jahren ergibt.

Das Hoheitsgebiet des Hauses Österreich erweiterte sich im Lauf der Jahrhunderte zu einem Weltreich, in dem buchstäblich "die Sonne nicht unterging". Auf dem Höhepunkt seiner Macht umschloß es praktisch ganz Europa (ohne Frankreich und die Schweiz): die Niederlande bis zur Ukraine in westöstlicher Richtung, Polen im Norden bis zum Balkan und Italien im Süden. Dazu gehörten Spanien und Portugal mit ihren riesigen überseeischen Besitzungen in Afrika, Lateinamerika, im Pazifik und in Asien. Diese Expansion durch Europa beruhte hauptsächlich nicht auf kriegerischen Eroberungen, sondern auf kluger (sprichwörtlich gewordener) Heiratspolitik.

1521 teilte sich das Imperium der Habsburger in zwei Linien, die Spanische und die Österreichische, weil Kaiser Karl V. das Königreich Spanien und Portugal seiner eigenen Herrschaft unterstellte und die Österreichische Reichshälfte, zu der auch Böhmen und Ungarn gehörten, seinem Bruder übergab, der ihm später als Ferdinand I. auf dem Thron folgte. Karls Sohn Philipp II von Spanien (zugleich Philipp I von Portugal: nach ihm wurden die Philippinen benannt) war kurzfristig sogar König von England durch seine Ehe mit Mary Tudor.

Während ihrer nicht ganz 700 jährigen Regierungszeit trugen nicht weniger als 18 Habsburger den Kaisertitel (von 1452 mit Friedrich III bis 1918 zu Karl I). Dazu kam eine Unzahl von Königen, Fürsten, Herzögen und Erzherzögen, Grafen und anderen Familienangehörigen in regierender Funktion quer durch alle Erblande.

Doch bezeichnet schon vom Begrifflichen her das Wort "Höhepunkt" den Beginn eines Abstiegs. Die Spanische Linie der Habsburger erlosch 1700 A.D., und die Krone Spaniens fiel 13 Jahre später durch Krieg an die Dynastie der französischen Bourbonen. Die österreichische Linie stand weiterhin an der Spitze des von Karl dem Großen 800 AD gegründeten "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation"; anfang des 19. Jahrhunderts aber ging unter dem Druck der Napoleonischen Armeen dieses bereits im Zerfall befindliche tausendjährige Staatsgebilde auch formal zu Ende, indem 1806 AD sein Oberhaupt, der Habsburger "Biedermeier­kaiser", auf Namen und Titel eines "deutschen" Kaisers Franz II ver­zichtete und fürderhin nur noch Kaiser Franz I von Österreich war; er hatte übrigens zwei Jahre lang beide Namen geführt.

Dennoch war im Revolutionsjahr 1848, als sein 18 jähriger Enkel Erzherzog Franz Josef den Thron bestieg, Österreich noch eine der fünf europäischen Großmächte, und die Kaiserliche Sommerresidenz in Ischl rückte damit folgerichtig in den Brennpunkt von Weltpolitik und Diplomatie.

Der junge Kaiser, der den zukunftsfrohen Namen Franz Joseph I angenommen hatte, sah sich mit der Regierung eines Reiches konfrontiert, das demokratischen und ethnischen Bestrebungen immer weniger gerecht werden konnte. Dazu kam, daß die im Aufstieg begriffene Großmacht Preußen dank ihrem "Eisernen Kanzler" Otto von Bismarck den Führungsanspruch über die deutschen Länder an sich riß, nachdem die österreichische Nordarmee in einer spektakulären Schlacht überraschend geschlagen worden war (bei Königgrätz 1866). Ein zweiter siegreicher Feldzug Preußens, diesmal gegen Frankreich, führte 1871 zur Ausrufung des "Zweiten Deutschen Reiches" ‑ selbstverständlich unter Ausschluß Österreichs.

Nach der Katastrophe von Königgrätz erzwang Ungarn, von Kaiserin Elisabeth ermutigt und unterstützt, eine Teilung des Habsburger‑Imperiums in eine Österreichische und eine Ungarische Reichshälfte mit gleichem Status (1867). Von damals an regierte Franz Joseph I die Österreichisch‑Ungarische Monarchie als Kaiser Österreichs und seiner angeschlossenen Kronländer, gleichzeitig als König von Ungarn, wobei das zentral verwaltete Finanzwesen, die Außenpolitik und Landesverteidigung mit der berühmt gewordenen Kurzformel "K.u.K." (kaiserlich und königlich) bezeichnet wurden; daran änderte sich bis 1918 nichts.

Durch den aufsehenerregenden Selbstmord Kronprinz Rudolfs im Jahr 1889 wurde Erzherzog Franz Ferdinand Thronanwärter, er war des Kaisers Neffe (Sohn von Franz Josephs Bruder Karl Ludwig). Als er zusammen mit seiner Frau Sophie einem Attentat serbischer Nationalisten zum Opfer fiel (Sarajewo, 28. Juni 1914), führte dies zur Kriegserklärung Österreichs an Serbien ‑ Franz Joseph I unterzeichnete sie an seinem Schreibtisch in der Ischler Kaiservilla ‑ und durch Eskalation von Feindseligkeiten zum Ersten Weltkrieg.

Letzter Habsburger auf dem Thron war der junge Erzherzog Karl, Enkel des Kaiserbruders Karl Ludwig (und Franz Ferdinands Neffe). Er trat das Thronerbe der Doppel‑Monarchie an, als Franz Joseph I nach 68 jähriger Regierungszeit am 21. November 1916 starb. (Er übernahm aber nicht die Ischler Kaiservilla, die im Besitz der direkten Nachkommen Franz Josephs und Elisabeths blieb.)

Als überzeugter Pazifist bemühte sich Karl I verzweifelt, dem Morden an den Fronten Einhalt zu gebieten, aber seine Versuche stießen bei den anderen Kriegsteilnehmern auf taube Ohren. Und es lag auch nicht in seiner Macht, im November 1918 den Zerfall der Habsburgermonarchie in eine Anzahl unabhängiger Staaten zu verhindern. Damals verbanden sich die autonomen deutschsprachigen Kronländer zur heutigen Bundesrepublik Österreich.

Nach nicht ganz zwei Regierungsjahren, einem wahrlich kurzen Epilog nach vielhundertjähriger glanzvoller Herrschaft der Habsburger, starb Karl I im Exil auf der Insel Madeira ‑ man sagt nicht unberechtigt, an gebrochenem Herzen. Kaiserin Zita, seine Frau, überlebte ihn um 67 Jahre; sie starb erst 1989.

Ihr ältester Sohn Otto hatte 1916 an der Krönung seiner Eltern in Budapest teilgenommen: als Kronprinz. Als Dr.Otto von Habsburg war er einer der entschiedensten Gegner von Adolf Hitler und dessen "Drittem Reich". Jahrzehnte hindurch spielte er bei den Bemühungen um ein geeintes Europa, die schließlich zur Gründung der Europäischen Union gediehen, eine führende Rolle. Als er 1999 aus dem Europa‑Parlament ausschied, endeten damit mehr als 700 Jahre ununterbrochener Beteiligung und Führerschaft Habsburgs in der Geschichte Europas.