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Der Abschied des Kaisers

Kaiser Franz Josef war das schwere Los zuteil geworden, an der Spitze eines langsam desintegrierenden Vielvölkerreiches zu stehen. Dazu begann 1868 eine Serie familiärer Katastrophen, als sein Bruder Maximilian, der einstmals „zweite Salzprinz”, von einem Exekutionskommando erschossen wurde. Sehr gegen Franz Josefs Willen hatte er das Angebot des französischen Kaisers Napoleon III. angenommen, Kaiser von Mexico zu werden. Das Unternehmen endete nach dreijährigem Bemühen in einer Tragödie.

Dann beging Kronprinz Rudolf mit seiner nicht einmal 18-jährigen Geliebten Mary Vetsera am 31. Jänner 1889 in seinem Jagdschloß Mayerling bei Wien Selbstmord. Es war ein Jahrhundertskandal; Kaiserin Elisabeth verwand den Tod ihres Sohnes nie und trug von damals an Trauer. Damals begannen auch ihre langen Reisen nach Ungarn, Griechenland; sie hatte aber schon vorher ausgedehnte Aufenthalte in Madeira, in England und Irland genommen. Franz Josef schrieb ihr flehentliche Briefe, „heim nach Ischl” zu kommen, für ihn war Ischl eben „zu Hause sein”jagdstandbild.

Im Juli 1898 plante sie einen Besuch bei ihren Wittelsbacher Verwandten, dann sollte die Reise über Bad Nauheim in die Schweiz führen. Sie verbrachte die ersten beiden Wochen des Monats in Ischl. Am Tag ihrer Abreise, am 15. Juli, wanderte sie zum letzten Mal mit Franz Josef durch den Park, sie waren beide in offensichtlich einträchtiger und wehmütiger Stimmung. So endete ihr gemeinsames Leben, wo es 45 Jahre zuvor begonnen hatte - in Ischl. Am 9. September wurde die Kaiserin in Genf von Luigi Lucheni, einem 25jährigen Anarchisten, erstochen - einfach weil sie ein prominentes Mitglied der verhaßten Oberschicht war. Von ihrem Tod benachrichtigt, sagte der Kaiser, sonst ein Muster an Zurückhaltung, mit gebrochener Stimme: „Sie wissen nicht, wie ich diese Frau geliebt habe.”

Schließlich fiel am 28. Juni 1914 Thronfolger Franz Ferdinand, sein Neffe, einem Attentat zum Opfer. Er wurde in Sarajewo, der Hauptstadt Bosniens, von Gavrilo Princip im Zug einer politischen Verschwörung erschossen. „Mir bleibt nichts erspart”, war des Kaisers Kommentar. Aber Ischl konnte nun nicht mehr seine Wunden heilen - , die Kaiservilla rückte damals in den Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit und hektischen diplomatischen Treibens.

Denn nach der Ermordung des Thronfolgers und seiner Frau stellte Franz Josef Serbien ein Ultimatum, das am 23. Juli übermittelt wurde. Die serbische Antwort auf die österreichischen Bedingungen war unbefriedigend. Zwei Tage später erfolgte der Abbruch diplomatischer Beziehungen, und am 28. Juli - serbische Feindseligkeiten gegen die österreichische Donauflotte hatten eingesetzt, in Temes-Kubin war es zu Schießereien gekommen - unterzeichnete Franz Josef die Erklärung, daß man sich mit Serbien im Kriegszustand befand. Was nach Österreichs Absicht ein lokaler Konflikt sein sollte, eskalierte zum Weltkrieg, indem eine Großmacht nach der anderen ihre Anliegen ins Spiel brachte.

Am 28.Juli 1914 unterzeichnete Franz Josef das Manifest „An meine Völker”, in dem er die Gründe für die Kriegserklärung auslegte. Am Tag darauf wurde es veröffentlicht. 1914 gab es keine Feierlichkeiten zu Kaisers Geburtstag. Am 30. Juli versammelte sich eine Menschenmenge auf dem Ischler Bahnhof, um vom Kaiser Abschied zu nehmen; er fuhr mit einem Sonderzug nach Wien gemeinsam mit dem neuen Kronprinzen, dem jungen Erzherzog Karl. Sein liebes Ischl sah er nie mehr wieder. Ein Faksimile des Manifests liegt heute noch auf seinem Schreibtisch in der Kaiservilla, wo er es unterschrieben hat; alles befindet sich dort noch in der gleichen Anordnung wie am Tag seiner Abreise.

kaiservilla WinterRückblickend kann man sagen, daß der Zerfall der Monarchie sich lange vorbereitet hatte; als das Ende kam, kam es schnell. Kaiser Franz Josefs Abschied von Ischl schloß ein Zeitalter ab. Er starb am 21. November 1916 nach 68jähriger Regierungszeit in Schloß Schönbrunn, wo er auch geboren worden war. Zwei Jahre später erlosch die Monarchie der Habsburger.

Seit 1906 Bad Ischl genannt, ist die Stadt durch ihre „kaiserliche” Vergangenheit dennoch nie zum Museum geworden. Ein Grund dafür mag sein, daß in der Kaiservilla immer noch Habsburger wohnen. Sie war zwar Residenz, doch niemals Staatsbesitz, weil Erzherzogin Sophie sie privat erwarb und in den Familienfonds überstellte, der in der Folge die Finanzierung leistete.

Franz Josefs letztwillige Verfügung, im Juni 1918 rechtskräftig geworden, teilte sein Erbe auf die Töchter Gisela und Marie Valerie sowie die Enkelin Elisabeth, Rudolfs einzige Tochter, auf. Die Kaiservilla fiel Marie Valerie zu, die so wie ihr Vater durch Kindheit, erste Liebe und Heirat mit Ischl innig verbunden war. Da sie ihren Vetter Franz Salvator aus der Toskanischen Linie des Hauses Habsburg heiratete, ist die Kaiservilla im Besitz Habsburgs geblieben. Sie hat zwei Weltkriege unbeschädigt überstanden und sieht nicht viel anders aus als zu Franz Josefs und Elisabeths Zeit.