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Habsburg und Ischl

Die Geschichte der Salzbergwerke und ihrer Gemeinden im Salzkammergut reicht ziemlich weit zurück: Sie waren ja die Zentren, in denen das "Weiße Gold" gewonnen wurde. "Ischl" als Name erscheint erstmals im Jahre 1192, er leitet sich vom keltischen Iscla oder Iscula ab, dem 829 A.D. dokumentarisch belegten Namen des Flusses, der neben der heutigen Kaiservilla verläuft. Die archäologischen Funde aus der keltischen Vergangenheit der Region, die man im Stadtmuseum von Bad Ischl besichtigen kann, gehen auf die Hallstatt‑ und La Tene ‑ Periode um 400 v. Chr. zurück. Das Salzkammergut gehörte zum keltischen Königreich Noricum und war von ungefähr 15 A.D. bis 480 A.D. Teil der römischen Provinz Noricum Ripense. Dabei bildete von prähistorischer Zeit bis heute die Salzgewinnung die Haupteinnahmequelle des Gebietes.

Das über einen Zeitraum von 3000 Jahren händisch abgebaute Salz wurde auf der rasch und kräftig strömenden Traun zum Traunsee und weiter zur Donau transportiert ‑ ein angesichts der wenig stabilen Frachtkähne nicht ungefährliches Unternehmen. Einige der Ringe, an denen die Salzschiffer ihre Boote vertäuten, sind heute noch in der Esplanadenmauer oberhalb der Straßenbrücke von Bad Ischl zu sehen, und es gibt auch noch den Treppelweg, auf dem die Pferde der Traunreiter die Frachtkähne stromaufwärts schleppten. Einige der historischen Bauten entlang der Esplanade waren ursprünglich Eigentum der Salzherren und Salzschiffer.

Eine direkte Beziehung der Habsburger zu Ischl und dem Gebiet des heutigen Salzkammergutes überhaupt besteht spätestens seit 1282, als König Rudolf I. nur vier Jahre nach seinem Sieg bei Dürnkrut seinen ältesten Sohn Albrecht zum Herzog von Österreich und der Steiermark ernannte. Albrechts Interesse an der Salzindustrie war so groß, daß er 1284 Befestigungen zu ihrem Schutz errichten ließ; zu jener Zeit gab es in der Besitzfrage von Salzvorkommen kriegerische Auseinandersetzungen. Der "Rudolfsturm", wie Albrecht ihn zu Ehren seines Vaters nannte, steht heute noch oberhalb von Hallstatt.

Nach Albrechts Tod ‑ er wurde 1308 von seinem Neffen Johannes ermordet ‑ übernahm seine energische Witwe Elisabeth die Verwaltung der Salzindustrie und gestaltete sie zum Staatsmonopol ‑ damals natürlich "Monopol der Krone" ‑ um. Daran änderte sich bis zum 20. Jahrhundert nichts. Das Salz gewinnende "Kammergut" wurde in den sechs Jahrhunderten Habsburgischer Verwaltung ein Staat im Staat ‑ mit eigener Sozialversicherung und Preisregulierung; eine Zeit lang benötigte man, um Zutritt zu erhalten, eine Sondergenehmigung.

Aus der Unzahl fürstlicher Besuche, die der gewinnbringenden Schatzkammer in den Bergen abgestattet wurden, ragen die von sieben Habsburger Kaisern hervor. Maximilian I kam 1511 nach Ischl, er bekräftigte am 10.März 1514 die Verleihung des Stadtwappens, das Kaiser Friedrich III im Jahre 1442 gestiftet hatte. Maximilian kam 1518 noch einmal, gesundheitshalber und zur Jagd, starb aber im Jänner 1519. Kaiser Ferdinand I eröffnete 1563 den Untertagebau des Ischler Salzbergwerks; bei seinem nächsten Besuch im Jahr darauf fanden die von Thomas Seeauer vorgelegten Pläne für eine Verbesserung des Salztransportes auf der Traun seine Billigung. Kaiser Leopold I kam 1680 nach Ischl und St.Wolfgang ‑ zur Inspektion der Salzbergwerke und zur Jagd.

Nach dem Ende des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" 1806 waren es dann "nur noch" Kaiser von Österreich, die Ischl des öfteren besuchten: sie kamen alle vier. Kaiser Franz I fuhr zur Besichtigung von zwei neuen Stollen ‑ sie wurden nach ihm und seiner Gemahlin Ludovica benannt ‑ ins Bergwerk ein. Das war in den Jahren 1808 und 1814, 1828 gab es noch einmal einen Kurzbesuch. Seine drei Nachfolger aber hatten bereits einen anderen Grund, um nach Ischl zu kommen.

Im frühen 19. Jahrhundert wurde nämlich ein weiterer Bodenschatz der Region zum Verkaufsschlager: ihre Heilquellen. Sie waren es, die aus dem verschlafenen und entlegenen Bergstädtchen an der Traun einen Treffpunkt der großen Welt machten.

Man hatte die Heilkraft der Ischler Salzquellen schon zu Kaiser Maximilians Zeit gekannt, und Erzherzog Ludwig, ein Bruder von Kaiser Franz I, verbrachte von 1804 an jeden Sommer in Ischl. Doch erst Dr.Josef Götz, ein "talentvoller und sehr bescheidener" junger Arzt (übrigens findet sich angeblich der Held von Goethes Drama, Götz von Berlichingen, in seinem Stammbaum), analysierte das an Mineralen reiche Ischler Wasser, wendete es systematisch an und veröffentlichte seine Erkenntnisse. Nachdem er Salinenarbeiter, die an Hauterkrankungen und Rheumatismus litten, durch Solebäder geheilt hatte, eröffnete er 1823 seine erste Badeanstalt. Der große Durchbruch kam aber erst, als Professor Franz de Paula von Wirer, Lehrer an der weltberühmten Wiener Medizinischen Schule, auf die Entdeckung aufmerksam wurde.

Wirer, Rektor der Wiener Universität und Leibarzt von Kaiser Franz 1, setzte das neue Heilverfahren mit Enthusiasmus für seine prominenten Patienten ein. Der Ruhm von Ischls Sole‑ und Schwefelquellen verbreitete sich mit Windeseile durch Europa, als ein weiterer Bruder des Kaisers auf den Rat Dr.Wirers hin mit dem "Gebrauch der Wasser" begann. Es handelte sich um Erzherzog Rudolf, den Kardinal‑Erzbischof von Olmütz, Schüler und Schutzpatron von Ludwig van Beethoven. Der Kardinal war anfangs recht mißtrauisch und kam eigentlich nur, um zu sehen, "ob an der Sache etwas dran ist." Am 9. September 1827 feierte ganz Ischl die Genesung des prominenten Gastes nach einer Lungenentzündung, und Dr.Wirer gilt bis heute als Begründer von Bad Ischls Aufstieg.Ehrzherzog Franz Karl im Tragsessel

Neuer Höhepunkt der kaiserlichen Zuwendung war Kaiser Ferdinands I (von Österreich) Kuraufenthalt im Jahr 1835. Dieser älteste Sohn Kaiser Franz des I kam selbst nach seiner Abdankung (1848) noch oft nach Ischl, was der Stadt das endgültige Gütesiegel verlieh. Ein Sommeraufenthalt in Ischl war fortan gesellschaftliches "Muß". Ein Nobelhotel nach dem anderen wurde gebaut, Landhäuser entstanden, die Infrastruktur entwickelte sich, um den Ansprüchen der verwöhnten Gäste zu genügen.

Man muß sich vorstellen, was das in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutete. Damals dauerte eine Reise von Wien in das abgelegene Gebirgsstädtchen mehrere Tage. Sie bot faszinierende Landschaftseindrücke, war aber zermürbend. Man fuhr in der Kutsche oder ritt bis Gmunden am Traunsee, fuhr mit dem Schiff nach Ebensee über und setzte die Reise nach Ischl auf schlechten Landstraßen zwischen himmelhohen Bergen fort. Eine erste Erleichterung brachte die Pferdebahn, immerhin ein Schienenweg, zwischen Linz und Gmunden Ende der 1830er Jahre. In den 1840er Jahren kam der Dampfschiffverkehr auf der Donau dazu: man konnte nun trotz der starken Strömung stromaufwärts reisen. 1867 fuhr die Eisenbahn zwischen Wien und Salzburg, aber erst Mai 1877 war die Zweiglinie nach Ischl fertig, sodaß man schließlich und endlich nur einen Tag von Wien bis Ischl brauchte.

Staatskanzler Fürst Clemens Metternich war nur einer von vielen prominenten Politikern, die den Sommer mit Familie in dem so rasch aufblühenden Kurort verbrachten. Er mietete später eine Biedermeiervilla, die 1834 für einen Wiener Rechtsanwalt, einen Dr.Josef Eltz, gebaut worden war. Sie überblickte, wunderschön am Fuß des steilen Jainzenberges gelegen, vom andern Ufer des Flusses aus die Stadt Ischl und sollte später zur Kaiservilla ausgebaut werden.

Und dann kam es zur entscheidenden Verbindung mit der kaiserlichen Familie. Der jüngere Sohn von Kaiser Franz I, Erzherzog Franz Karl, und seine Frau Sophie kamen seit 1827 regelmäßig nach Ischl. Sie war Wittelsbacherin, Tochter des bayerischen Königs Max I und Schwester von König Ludwig I. Auf Grund ihres bewundernswert starken Charakters wurde sie "der einzige Mann am Kaiserhof" genannt - es war die Zeit, in der Staatskanzler Metternich in Österreich das Sagen hatte -, aber ihre Konstitution ließ zu wünschen übrig.

Die Lage war so: da vom älteren Sohn Kaiser Franz des Ersten, Kronprinz Ferdinand, einem Epileptiker, kein Nachwuchs zu erwarten war, würden die Kinder des jüngeren Sohnes die nächsten Thronanwärter sein. Sophie hatte ihn im Jahre 1824 mit 19 Jahren geheiratet, erlitt aber in der Folge fünf Fehlgeburten. Nun empfahl der kaiserliche Leibarzt Dr. Wirer die Ischler Solebäder, und diese Kur half ganz offensichtlich, denn nachdem sich Erzherzogin Sophie 1828 und 1829 verschiedenen Behandlungen in Ischl unterzogen hatte, gebar sie nacheinander drei Söhne und einige Jahre später einen vierten.

Die SalzprinzenDer künftige Kaiser Franz Josef I. wurde am 18. August 1830 in Schloß Schönbrunn (Wien) geboren. Ihm folgte am 6. Juli 1831 Ferdinand Maximilian, der nachmalige unglückliche Kaiser von Mexiko. 1833 erblickte Karl Ludwig das Licht der Welt, und neun Jahre später Ludwig Viktor (1842). Ein Töchterchen, Maria Anna Karolina, die 1835 geboren wurde, starb mit nur vier Jahren. Da die ersten drei Söhne Sophies unmittelbar nach ihren Kuraufenthalten in Ischl zur Welt kamen, wurden sie nicht nur im Volk, sondern auch in Hofkreisen "die Salzprinzen" genannt.

Franz Karl und Sophie hatten zunächst in Ischl keinen festen Wohnsitz. Man mietete verschiedene Sommerquartiere, schließlich - von etwa 1834 bis 1878 - ein bedeutendes Gebäude auf der Esplanade am Flusse Traun: das Haus des Bürgermeisters Wilhelm Seeauer, der aus einer alten Salzschiffer-Familie stammte. Es wurde später das "Hotel Austria", 1982 von der Stadtgemeinde erworben und 1989 zum Stadtmuseum umgestaltet.

Im Sommer des Jahres 1831 nahmen Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie ihren kleinen Erstgeborenen nach Ischl mit (er reiste die immerhin 24 Fahrtstunden mit seiner Mutter im selben Wagen), und in Ischl wurde dann auch sein erster Geburtstag gefeiert. Dies verdient deshalb festgehalten zu werden, weil sich daraus eine bis in die Gegenwart lebendige Tradition entwickeln sollte: "Kaisers Geburtstag" als feierliches Stadtfest der Ischler an jedem 18. August. Es war ja, um Franz Josefs eigene Worte zu gebrauchen, fast jeder Sommer seines langen Lebens - er wurde 86 Jahre alt - ein "göttlicher Ischler Séjour". Kaiser und Herrscher über das mächtige Einzugsgebiet der Österreichischen Monarchie wurde er aber schon sehr früh, nämlich mit 18 Jahren (nach der Abdankung seines Onkels Ferdinand im Revolutionsjahr 1848); dadurch gewann natürlich sein Geburtstag an Bedeutung.

Auch der letzte regierende Habsburger, Karl I, kam als Kind regelmäßig in die Sommerresidenz zu Besuch, und hier in der Kaiservilla teilte ihm sein Großonkel Franz Josef I nach der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand (Sarajewo 1914) mit, daß er nun Thronerbe war. Aber es ist Franz Josef des Ersten Name geblieben, der untrennbar mit Ischl verbunden ist. Er war es, der 1906 die Stadt mit dem nur wenigen auserlesenen Kurorten vorbehaltenen Titel BAD ISCHL auszeichnete - Ausdruck kaiserlichen Wohlgefallens und Gütesiegel der Habsburger für die Stadt, mit der sie nun seit über 700 Jahren verbunden sind.