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Eine Heirat wird geplant

Erzherzog Franz Josef war vom Augenblick seiner Geburt an dazu bestimmt, Kaiser von Österreich zu werden; demgemäß gestaltete sich seine Erziehung. Im benachbarten Königreich Bayern hingegen geschah folgendes: eine von Erzherzogin Sophies Schwestern, Ludovika, hatte Herzog Max in Bayern und damit in die herzogliche Nebenlinie der Wittelsbacher Dynastie geheiratet. Ihre beiden ältesten Kinder, Ludwig und Helene, wurden in München geboren, und dann, am Weihnachtsabend des Jahres 1837, kam wieder ein Mädchen zur Welt, das auf die Namen Elisabeth Amalia Eugenie getauft wurde.

Herzog Max ließ seine acht Kinder, denn so viele wurden es schließlich, ganz naturbelassen aufwachsen. Sie verbrachten den Winter in München und waren im Sommer in Schloß Possenhofen am Starnberger See, spielten dort mit Bauernkindern, sprachen bayrischen Dialekt, schwammen, unternahmen Bergtouren und konnten von früher Jugend an wie Zirkusakrobaten reiten. Elisabeth mit 15

Bis ans Ende ihres Lebens blickte Elisabeth auf diese in Freiheit und Naturnähe verbrachte Jugend wie auf ein verlorenes Paradies zurück. Es spielte dies für ihre spätere Position als Kaiserin von Österreich eine große Rolle, denn sie konnte sich nie mit dem vom Protokoll beherrschten Leben des Wiener Kaiserhofes aussöhnen. Nur in der ungezwungenen Atmosphäre der Ischler Kaiservilla fühlte sie sich wohler.

Die Thronbesteigung Franz Josefs fand am 2. Dezember 1848 statt, nachdem sein kinderlos gebliebener Onkel Ferdinand I. als Folge revolutionärer Unruhen in Österreich und Ungarn im gleichen Jahr abgedankt hatte. Der nächste Thronanwärter wäre eigentlich Ferdinands Bruder, Erzherzog Franz Karl, gewesen, doch verzichtete dieser auf den Wunsch seiner Frau Sophie hin zugunsten seines damals erst achtzehnjährigen Sohnes. Fünf Jahre später wurde aus dynastischen Gründen die Heirat Franz Josefs aktuell.

Er regierte damals den nach Rußland zweitgrößten Staat Europas, ein Vielvölkerreich mit fast 41 Millionen Einwohnern, doch war die politische Lage unruhig - nicht nur deshalb, weil die Unterdrückung der Revolution von 1848 erst fünf Jahre zurücklag. Zwar begannen anfang 1853 Anti-Habsburg-Ausschreitungen in Italien und Franz Josef fiel zu gleicher Zeit einem ungarischen Attentat fast zum Opfer, doch auch die internationale Spannung stieg und resultierte nur wenige Monate später im Krimkrieg, der auch Österreich betraf, obwohl es nicht direkter Kriegsteilnehmer war. Es ging im wesentlichen um die Frage, ob man angesichts des zerfallenden türkischen Weltreiches Rußland oder den Westen als Bundesgenossen betrachten sollte. In Österreich waren die Meinungen darüber geteilt, und das monatelange Zögern des noch unerfahrenen und durch seine Verlobung abgelenkten Kaisers hatte negative Folgen.

Seine dynamische Mutter - zu jener Zeit „die heimliche Kaiserin” genannt - hatte die Sache in die Hand genommen und bei der Wahl ihrer künftigen Schwiegertochter verwandtschaftliche Beziehungen spielen lassen. Ihr erster Versuch, mit Hilfe ihrer Schwester Elise, der Königin von Preußen, eine deutsche Prinzessin auf den österreichischen Thron zu bekommen, war an der Abneigung der Hohenzollern gegen eine Verbindung mit Österreich gescheitert. Als auch aus dem Plan bezüglich einer sächsischen Prinzessin (sie war kränklich und gefiel Franz Josef nicht) nichts wurde, war Bayern an der Reihe.

Demzufolge kam Schwester Ludovika mit ihren beiden ältesten Töchtern, der 18jährigen Helene und der 15jährigen Elisabeth, nach Ischl, um Franz Josefs 23. Geburtstag am 18. August 1853 zu feiern - : die Verlobung des Jahrhunderts stand bevor. Der Welt begehrenswertester Junggeselle würde die ältere seiner Cousinen heiraten, Helene, die von ihrer Mutter schon im Hinblick auf diese Wahl entsprechend sorgfältig erzogen worden war.Elisabeth mit Mantel

Die jüngere Schwester ließ zu jener Zeit kaum ahnen, was für eine weltberühmte Schönheit sie dereinst werden sollte - abgesehen von ihrem prachtvollen dunkelblonden Haar, einer wahren Mähne, die sie selbst zu zwei langen Zöpfen frisierte; später dunkelte ihr Haar zu einem satten Kastanienbraun nach. Ludovika hatte die Kleine eigentlich nur mitgenommen, um sie nach einer Schwärmerei für einen nicht standesgemäßen Grafen auf andere Gedanken zu bringen. Überdies stand vielleicht eine Heirat mit Franz Josefs jüngerem Bruder Karl Ludwig in Aussicht; die beiden jungen Leute schrieben einander seit Jahren Briefe, und trotz intensiver Suche zeigte sich für Sisi, wie sie von den Ihren gerufen wurde, kein passender Freier an einem der anderen europäischen Höfe.

Franz Josef traf seine bayerischen Cousinen gleich am Tag ihrer Ankunft, am 16.August 1853, zum Nachmittagstee im Seeauer-Haus an der Esplanade. Er hatte sie einige Jahre lang nicht gesehen, und so kam es, daß diese Begegnung ganz anders ausfiel, als die Mütter geplant hatten, denn er fand die jüngere der beiden Schwestern hinreißend. Es war, zumindest was ihn betraf, Liebe auf den ersten Blick. Das Tagebuch seiner Mutter und ihre Briefe schildern, wie er vom ersten Moment an nur Augen für Elisabeth hatte.

„Frisch wie eine aufspringende Mandel”, schüchtern und ohne zu begreifen, wie sehr sie ihm gefiel, so saß sie am Tisch. Sie war nichts als ein unerfahrenes Kind, anmutig und unschuldig, und als er ihr am Abend des folgenden Tages, nachdem er auf Erzherzogin Sophies Ball im Seeauer-Haus den Cotillion mit ihr getanzt hatte, sein Bouquet überreichte, fühlte sie sich nur geniert, während die Bedeutung dieser Geste jedem Anwesenden klar war: der Kaiser hatte gewählt.

Tags darauf, am 18. August, wurde Franz Josefs Geburtstag im großen Familienkreis gefeiert; beim Familiendiner saß Sisi neben dem Kaiser. Nach einem Ausflug nach St. Wolfgang bat Franz Josef dann seine Mutter, mit Hilfe Ludovicas bei Sisi zu erforschen, „ob sie ihn haben wolle”. Die Fünfzehnjährige reagierte mit dem ihrem Alter gemäßen emotionellen Durcheinander von Tränen, Stolz und Verzagtheit, aber die Würfel waren gefallen, und die ehrgeizige Mutter schickte Sisis Zustimmung schriftlich an Erzherzogin Sophie. Das Motto war wohl : „Dem Kaiser von Österreich gibt man keinen Korb”. Nachdem übrigens Sophies Versuche, ihren Sohn umzustimmen, auf taube Ohren gestoßen war, verlautete sie, die Familie sei über die Wahl des Kaisers entzückt, und die verstörte Helene heiratete später einen Fürsten von Thurn und Taxis. Sie blieb zeitlebens Sisis gute Freundin.

Am 19. August um acht Uhr früh erschien Franz Josef, dem die Freude ins Gesicht geschrieben stand, im Grand Hotel (das später Hotel Kaiserin Elisabeth umbenannt wurde), wo die bayerischen Damen abgestiegen waren, und durfte mit seiner Braut unter vier Augen reden. Arm in Arm verließen sie das Hotel, um bei Erzherzogin Sophie im Seeauer-Haus zu frühstücken, und um elf Uhr ging man gemeinsam in die Pfarrkirche.

Als beim Eintritt Erzherzogin Sophie ihrer kleinen Nichte den Vortritt ließ, wußte die versammelte Gemeinde, daß ab nun Elisabeth die erste Dame des Landes war. Josef Haydns Hymne „Gott erhalte” wurde gesungen, und nach dem Segen führte Franz Josef das schöne junge Mädchen zum Pfarrer. „Ich bitte, Hochwürden, segnen Sie uns, das ist meine Braut”.Elisabeth Winterhalter

Den Nachmittag verbrachte man mit einer Spazierfahrt nach Hallstatt, wo man auch dinierte; Kaiser Franz Josef erklärte seiner Braut die Umgebung. Felsen, Landschaft, der See leuchteten in der Sonne, doch der kühlen Bergluft wegen hüllte Franz Josef - „damit sie sich nicht erkältet” - Sisi in seinen Militärmantel. Noch heute erinnern zwei Gedenktafeln an den Besuch des Brautpaares in Hallstatt.

Am Abend feierte die Stadt Ischl das Ereignis mit einer Illumination: tausende Lampen und Kerzen, Lampions in den österreichischen und bayerischen Farben erhellten die Straßen, und jenseits des Flusses leuchtete vom Siriuskogel das mit Hilfe bunter Lampen gezeichnete Bild eines griechischen Tempels, in dem die von einem Brautkranz umgebenen Initialen FJ und E zu sehen waren.

Die „Hochzeit des Jahrhunderts” fand im Jahr darauf in Wien statt. Am 20. April 1854 nahm die nun 16jährige Herzogin Elisabeth in Bayern unter Tränen von ihrem Zuhause in München Abschied. Für jeden der Diener hatte sie ein Geschenk, und jedem reichte sie die Hand - etwas, was ihr in Hinkunft vom Wiener Protokoll streng verboten sein würde. König Max II. von Bayern, der ja ihr Cousin war, war zum Abschied persönlich erschienen, und eine Menschenmenge hatte sich vor dem Palais der Familie versammelt.

Franz JosephSisi verließ München in einer sechsspännigen Kutsche, von der Familie bis Straubing an der Donau begleitet, wo die Braut und ihre Mutter den bayerischen Raddampfer Stadt Regensburg für die Reise nach Linz in Oberösterreich bestiegen. Nach einer Übernachtung dort setzte man die Reise nach Wien am Bord des neuen österreichischen Expreßdampfers Franz Joseph I fort. Es war das größte und luxuriöseste Passagierschiff, das je den Strom befahren hatte, und nun mit solchem Blumenschmuck, daß es einem schwimmenden Garten glich. Die Fahrt war ein Triumphzug der künftigen Kaiserin von Österreich. Städte und Dörfer entlang der Ufer waren festlich geschmückt, Musikkapellen spielten, Menschen jubelten vom Ufer aus dem Schiff zu.

Elisabeths Ankunft in Wien gestaltete sich mit dem ganzen Zeremoniell und der Pracht, die man von der Hauptstadt eines Weltreiches erwarten durfte. Franz Josef war persönlich bei der Anlegestelle des Schiffes in Nußdorf erschienen, sprang an Bord und küßte seine Braut vor allem zahlreich eingetroffenen Publikum. Er selbst begleitete seine zukünftige Frau und ihre Mutter in der Kaiserlichen Prachtkarosse nach Schönbrunn, die geschmückten Straßen waren voll Menschen.

Am Abend des 24. April 1854 traute Kardinal Rauscher, der Erzbischof von Wien, das junge Paar in der Augustinerkirche, die ja zum Gebäudekomplex der Hofburg gehört. Von dieser Stunde an stand Elisabeth, Kaiserin von Österreich und legendäre Schönheit des 19. Jahrhunderts, im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Legende schon zu Lebzeiten, ist sie bis heute eine Erscheinung geblieben, deren Faszination nicht zu versiegen scheint.